Polnische Frauen im Lager
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Als Teilnehmerinnen am Warschauer Aufstand vom August bis Oktober 1944 trafen nach der Niederschlagung am 10.10.1944 552 Polinnen in Sandbostel ein - unter ihnen 84 im Offiziersrang, aber auch Mädchen von gerade einmal dreizehn Jahren. Sie wurden in der gesondert umzäunten Baracke 90 zwischen "Stalag" und "Oflag" untergebracht. Gewöhnt an ein entbehrungsreiches Leben in den zwei Monaten des Aufstandes, empfanden die Frauen die Ankunft in Sandbostel wie einen Umzug ins Paradies. Zwar standen ihre Baracken "auf Pfählen im Wasser wie in Venedig", doch wurden sie von ihren Landsleuten, die hier schon fünf Jahren in Gefangenschaft lebten, in tadelloser Kleidung, blanken Stiefeln, mit lächelnden Gesichtern und einladenden Blicken empfangen. Auch die Insassen benachbarter Baracken überschütteten die Frauen und Mädchen mit Freundlichkeiten:
"Zuerst schickten die Chefs köstliches Naschwerk, danach, oh Wunder, haben die knauserigen Franzosen uns königlich beschenkt. Für je vier Mädchen gab es ein Paket:....Fleischkonserven, Sardinen, Thunfisch, echter Bohnenkaffee, Rosinen und Butter."


Die Polinnen genossen die Ruhe und Entspannung nach den Strapazen des Kampfes und des Transports:" Die einzigen physischen Anstrengungen sind Nähen, Waschen und der Appell." Von den männlichen Kameraden heftig umworben, legten manche alsbald die langen Hosen ab und schlüpften in Röcke und Perlonstrümpfe. Schließlich kam es in der Lagerkirche und der Küche des Lazaretts zu regulären Trauungen. Ganz so romantisch, wie es sich oben darstellt, war es nun aber doch nicht: "Im roten flackernden Licht unseres Öfchens ( wir besitzen schon eines ) sieht man scharfe Umrisse von beleuchteten Gesichtern über den Kochtopf gebeugter Frauen. Auf einer Leine trocknen holländische, warme, farbige Schlüpfer und Socken. In einer Ecke ein gebeugter Kopf. Ein Mädchen sammelt die Nissen vom Kopf einer Freundin. Dicht daneben spielen einige eifrig Karten auf einer bunten Decke. Ein rotwangiges Mädchen wickelt Wolle auf ein Knäuel."


Bereits am 8.12.1944 hatten die meisten der polnischen Offizierinnen das Lager verlassen müssen; sie waren in das Oflag IX C Molsburg bei Erfurt verlegt worden. Einige wenige von ihnen waren unerkannt im Stalag X B verblieben, um den Zusammenhalt der Gruppe zu wahren. Ein zweiter Transport mit 280 weiblichen Gefangenen und 35 männlichen Unteroffizieren hatte am 18. Dezember nach Oberlangen ins Emsland geführt. Waren die zurückgebliebenen Polinnen zunächst in der Aufnahmebaracke zusammengefasst worden, wurden sie schließlich auch zwei Monate später, am 22.2.1945, in das Moorlager an der holländischen Grenze gebracht.

 

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